Für die Internetbranche ist Frankfurt der Nabel der Welt – die Schnittstelle für schnelle, die Kontinente verbindende Leitungen. In der Handels- und Dienstleistungsmetropole ist die Nachfrage nach Datenaustausch über Hochleistungsnetze groß und das Netz daher gut ausgebaut. Ein Wettbewerbsvorteil, wie es in Zeiten der Industrialisierung ein Bahnhof war.

Frankfurt am Main (pia, 25.03.2010) – Im Boden der Mainmetropole verlaufen kilometerlange Kabel, kreuzen sich Datennetze und transatlantische Glasfaserverbindungen. Sie laufen aus den USA kommend über London, Amsterdam und Düsseldorf auf den Knotenpunkt im Herzen Europas zu, um von dort Daten nach Wien, Prag oder Schanghai und Hongkong und retour zu transferieren. Der Branchendienst Tele-Geography setzte Frankfurt jüngst auf Platz eins der Rangliste der wichtigsten Hubs – Verteiler – auf dem internationalen Datenhighway.

#fa#Am Anfang stand das Glasfaserkabel#fe#
Dass ihre Stadt mitspielt in der Weltliga der Bits und Megabytes nehmen die Bürger kaum wahr. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit sind die Banken unvergleichlich präsenter – nicht nur, weil deren Hochhäuser die Skyline von “Mainhattan” prägen. Doch beide Branchen bedingen einander. Am Anfang der Symbiose standen die Glasfaserkabel. “Die Kommune hat sich früh offen gezeigt für private Anbieter, und die Banken hatten Bedarf, weil ihre Geschäftsmodelle diese Technik abgefragt haben”, beschreibt Peter Knapp, Geschäftsführer des Rechenzentrum-Betreibers Interxion den Zusammenhang. Die Nachfrage der Finanzwelt wächst, und parallel dazu steigt dann auch stetig das Angebot an Rechen- und Speicherkapazität, von Datenkommunikation über Hochleistungsnetze. Die Kombination von “Handels- und Dienstleistungsmetropole und großer Dichte an Nachfrage solcher technischen Ressourcen”, das ist laut Professur Roman Beck vom House of Finance der Goethe-Universität ein in Europa einzigartiges Leistungsmerkmal, welches die Mainmetropole attraktiv macht für die IT-Branche.

#fa#Millisekunden machen Millionen Euro aus#fe#
In einer Studie hat Beck, Experte für E-Finance und Service Science, die Zusammenhänge zwischen IT-Infrastruktur und Finanzbranche untersucht. Er vergleicht Rechnerdichte und das Vorhandensein nahezu unbegrenzter Kabelverbindungen mit dem Wettbewerbsvorteil, den zu Beginn der Industrialisierung ein eigener Bahnanschluss brachte – schneller, effizienter zu sein als die Konkurrenz. Nur dass anstelle der Güter von damals heute Datenpakete verschickt werden. Ohne “e” wie elektronisch kommt das Bankengeschäft nicht mehr aus. Finanztransaktionen laufen fast in Echtzeit ab; Aktien werden in Sekundenbruchteilen gehandelt. Je näher der Rechner des Handelspartners steht, desto schneller die Verbindung, desto rasanter das Geschäft. In Rechenzentren wie dem von Interxion stehen die Speicher der Kunden aus der Finanzbranche oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Zeit ist Geld im digitalen Handel, weil die computergesteuerten Abläufe auf enorme Geschwindigkeiten getrimmt sind: “Millisekunden machen ein paar Millionen Euro aus; drei bis vier Millisekunden zählen im Wettbewerb mit London und Paris”, sagt Peter Knapp. In Zukunft wird in Nanosekunden gerechnet. Um die schnellsten Verbindungen ist nach Beobachtung von Knapp international ein heißer Wettbewerb unter den Börsenplätzen entbrannt. Die Frankfurter entwickelten bereits ein neues Handelssystem, um ihre Standortvorteil noch besser zu nutzen.

#fa#Schnelligkeit bringt weniger Risiko#fe#
Ein möglichst geringer Zeitverzug trägt zur Sicherheit von Transaktionen bei. Ausreichend große, übers Internet abrufbare Rechnerkapazitäten helfen laut Roman Beck den Akteuren am Finanzplatz Frankfurt, Risiken zügig zu analysieren und zu bewerten. Dieser Aspekt gewinnt seiner Einschätzung nach über Instrumente wie präzisere Risikosimulationen und Marktvorhersagen an Bedeutung. Dass Frankfurt genau an der Schnittstelle von “Compute Power und den angebotenen Hochleistungsnetzen für den Datenverkehr” liegt, wertet der Experte als dicken Pluspunkt. Die Infrastruktur-Dienstleister nützen dem Finanzplatz auch durch kräftige Investitionen: Bis zu 200 Millionen Euro fließen jährlich in neue Anlagen; auf etwa eine halbe Milliarde Euro schätzen Experten den Umsatz. An die 1000 Menschen beschäftigen die Dienstleister, im gesamten IT-Umfeld im Rhein-Main-Gebiet arbeiten etwa 80.000 Menschen.

#fa#Flotte Datenleitungen auch für den privaten Konsum#fe#
Die Branche ist auf Wachstum eingestellt. Potenzial sieht sie bei den privaten Konsumenten. Fernsehen und telefonieren via Internet, Videos, E-Books, Handhelds, Gaming – Online-Spiele – heißen die Märkte der Zukunft. Sämtliche Anwendungen benötigen sowohl leistungsfähige Rechner als auch flotte Datenleitungen, damit die Nutzer bei der Stange bleiben. Aufgrund seiner optimalen Voraussetzungen soll Frankfurt auch die Nase vorn haben beim “Cloud Computing”. Ein neuer Service, bei dem Daten nicht mehr auf einem unternehmenseigenen Server gespeichert werden, sondern irgendwo auf der Welt in einem Rechenzentrum. Bei Bedarf greift der Nutzer einfach über Internet zu.

Margarete Lausberg


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