(pia, 13.02.2009) – In der deutschen Wirtschaft sind Frauen in Top-Jobs unterrepräsentiert, in 12 Frankfurter Unternehmen soll sich das ändern. „Wie die große Resonanz zeigt, ist das Thema in den Frankfurter Unternehmen angekommen. Ich finde es ermutigend, dass Sie Ihre Bemühungen im Angesicht der Krise nicht zurücknehmen, sondern ausdenen und verstärken“, betonte Bürgermeisterin Jutta Ebeling bei der feierlichen Auftaktveranstaltung des 2. Regionalen Frankfurter Mentoring-Programms am 11. Februar im Römer.

Das Programm unterstützt junge weibliche Führungskräfte aus ortsansässigen Firmen in ihrer Karriere. Jede Mentee wird ein Jahr lang durch eine erfahrene Führungskraft eines anderen Unternehmens unterstützt und kann in dieser Zeit alle Fragen ihrer beruflichen Entwicklung vertrauensvoll mit ihrem Mentor oder ihrer Mentorin reflektieren.

Bei Programmstart 2008 machten sich 18 „Tandems“ auf den Weg zum Erfolg, dieses Jahr sind es schon 26. Als Unternehmen beteiligt sind die Allianz AG, Bearing Point GmbH, Deutsche Bahn AG, Ferrero Deutschland GmbH, HypoVereinsbank AG, KfW-Bankengruppe, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Mainova AG, Marsh GmbH, Nestlé Deutschland AG, Standard & Poor’s und das Universitätsklinikum Frankfurt.

100 Gäste erlebten eine anregende Gesprächsrunde zum Thema „ Frauen – Führung – Fortschritt“ mit Spitzenvertreterinnen aus beteiligten Unternehmen. „Frauen müssen schon aus ökonomischen Gründen stärker in Führungspositionen vertreten sein“, meinte Christine Kreidl, Vorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. „Im mittleren Management ist das bereits der Fall, der Durchbruch in die obere Etage ist nur eine Frage der Zeit“. Karrierevoraussetzung seien erstklassige Leistungen, Flexibilität und Beharrlichkeit – und außerdem die Aufgeschlossenheit der Unternehmen für Neues. Wichtig sei auch, mit Rückschlägen umgehen zu können, betonte Charlotte Lutterbeck, Deutsche Bahn-Chefin für Hessen. Außerdem: „Eine Frau allein ist immer die Ausnahme. Mehr als eine – da ist gegenseitige Rückendeckung und Veränderung möglich“. Prof. Edelgard Lindhoff-Last, Abteilungsleiterin an der Universitätsklinik Frankfurt, wies auf die unterschiedlichen Anforderungen in den verschiedenen Arbeitsbereichen des Medizinbetriebs hin. „In manchen Bereichen ist Teilzeitarbeit gut möglich, in anderen kaum. Es braucht bessere Kinderbetreuung, neue Arbeitszeitmodelle und individuelle Lösungen für die Vereinbarung von Beruf und Familie.“ Neben den Unternehmen seien aber auch die Partner gefordert; ohne ihre Unterstützung sei Karriere mit Kind oder gar Kindern kaum möglich.

Dass mit Frauen die Arbeitsatmosphäre angenehmer sei, würden die Kollegen auch selbst bestätigen. Doch andererseits: „Bei Stellenausschreibungen erhalte ich sehr viele Bewerbungen von Frauen und wenige von Männern; da gibt es schnell eine Tendenz zu homogenen Fraueteams“, beobachtet Prof. Lindhoff-Last. Eine Frau als Vorgesetzte sei offensichtlich noch immer nicht die Normalität.

Fazit: Frauen in Führung sind nicht mehr krasse Außenseiterinnen wie früher, selbstverständlich sind sie jedoch noch lange nicht. Zur Beschleunigung der Entwicklung auf Quotenregelungen zu setzen, fand in der Gesprächsrunde wenig Anklang. Eher wurde auf Strategien wie Mentoring und die Verankerung in gemischten Netzwerken gesetzt, damit hatten alle Diskutantinnen gute eigene Erfahrung.

Dass Mentoring weiter bringt, wurde von Gesa Fuchs, junge Führungskraft bei Ferrero Deutschland und Mentee der ersten Runde, gern bestätigt. Sie hat ihre Ziele und die nächsten Schritte ihrer Karriere geklärt. Dass ihr Mentor nicht aus dem eigenen Unternehmen kam, empfindet sie als großen Vorteil: „Man kann auch mal über den eigenen Chef sprechen, über dessen Art. Eine Außenansicht zu bekommen und probeweise die männliche Perspektive einzunehmen, das ist sehr hilfreich.“ Außerdem ist sie jetzt besser vernetzt als vorher: im selbst organisierten Mentee-Netzwerk des Programms, das über die Unternehmensgrenzen hinweg gut funktioniert.

Durchgeführt wird das Regionale Frankfurter Mentoring-Programm durch Dr. Nadja Tschirner und Simone Schönfeld von Cross Consult, die ein ähnliches Programm seit Jahren erfolgreich in München organisieren. Auf Seiten der Stadt Frankfurt wird das Programm durch die Wirtschaftsförderung GmbH und das Frauenreferat unterstützt.


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